Momentaufnahme Nr. 4: Drei Tote beim Generalstreik in Grenchen

Zu den innenpolitischen und wirtschaftlichen Problemen, welche sich auf nationaler und kantonaler Ebene zeigten, kam im Juni 1918 die Spanische Grippe hinzu, die im Kanton Solothurn 600 Menschenleben forderte. Die soziale Situation in der Schweiz spitzte sich zu und kulminierte schliesslich in einem Generalstreik, der am 7. November 1918 vom Oltener Aktionskomitee ausgerufen wurde.

Zahlreiche Streiks vor dem Ersten Weltkrieg
Der Kanton Solothurn zählte ab den 1880er Jahren zu den Industriekantonen der Schweiz. Aufgrund der im Vergleich mit anderen Industriekantonen schlechteren sozialen Lage der Solothurner Arbeiterinnen und Arbeiter kam es häufig zu Streiks. Die Bezirke Solothurn und Lebern zählten vor dem Ersten Weltkrieg zu den zehn kampfintensivsten Gebieten der Schweiz.

Erfolg mit klassenkämpferischer Ausrichtung
Die Solothurner SP konnte in den Jahren vor dem Ersten Weltkrieg durch ihre zunehmend klassenkämpferische Ausrichtung Stimmengewinne erzielen und die Anzahl Mandate erhöhen. 1908 erkämpfte sie das erste Nationalratsmandat. Gewählt wurde der Jurist und ehemals freisinnige Politiker Hans Affolter.
Die schweizweit zu beobachtenden Entwicklungen während der Kriegsjahre (Teuerung, Inflation, Reallohneinbussen, Fehlen einer Dienstausfallentschädigung für Soldaten, verschlechterte Arbeitsbedingungen, missliche wirtschaftliche und soziale Situation eines Grossteils der Arbeiterschaft, einseitige Verteilung der Unternehmensgewinne) führte auch im Kanton Solothurn zu einer Radikalisierung der Wählerschaft. Die Solothurner SP ging aus den Kantonsratswahlen von 1917 als überwältigende Wahlsiegerin hervor. Sie gewann 14 Sitze und hatte neu 38 Mandate. Die Freisinnige Partei hingegen verlor 15 Sitze und zum ersten Mal seit 1830 das absolute Mehr. Bei den Regierungsratswahlen von 1917 wurde Hans Affolter in einer Stichwahl zum ersten SP Regierungsrat des Kantons Solothurn gewählt.

Generalstreik als Höhepunkt der sozialen Spannungen
Zu den innenpolitischen und wirtschaftlichen Problemen, welche sich auf nationaler und kantonaler Ebene zeigten, kam im Juni 1918 die Spanische Grippe hinzu, die im Kanton Solothurn 600 Menschenleben forderte. Die soziale Situation in der Schweiz spitzte sich zu und kulminierte schliesslich in einem Generalstreik, der am 7. November 1918 vom Oltener Aktionskomitee ausgerufen wurde.
Ein Grossteil der Solothurner Arbeiterschaft nahm am Generalstreik teil. Dabei kam es in Grenchen zum schweizweit schwersten Zwischenfall: drei junge Uhrmacher wurden von Soldaten des Füsilierbataillons 6 am letzten Streiktag erschossen. Die Frage nach der Verantwortung wurde auf Gemeinde-, Kantons- und Bundesebene geführt. Der Bundesrat lehnte, gestützt auf nicht objektiv geführte Militäruntersuchungen, jegliche Verantwortung ab. Die Solothurner SP war vom Ausmass der Gewalt überrascht. Wie in der Schweizer Sozialdemokratie kam es auch in der Solothurner SP zu einer Vertrauenskrise, welche in den Zwischenkriegsjahren abebbte. Mit der Wahl von Ernst Nobs zum ersten sozialdemokratischen Bundesrat war die SP Schweiz ganz in das Schweizer Politsystem integriert.

Weitere Informationen auf 125jahre.sp-so.ch…

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